Wanderwoche 2004 im Nationalpark Bayerischer Wald

Schwäbischer Albverein – Herrenberg – Ferienwanderung 2004

Wanderwoche im Nationalpark Bayerischer Wald

vom 23. – 30. 05. 2004

        Herbert Weber

        Schwäbischer Albverein

        OG Herrenberg

        Anfahrt

Die Anfahrt der 50 Wanderfreunde des Schwäbischen Albverein -Ortsgruppe Herrenberg- wurde in Regensburg zu einer abwechslungsreichen Stadtführung unterbrochen. Ein Empfang durch Trommelwirbel und anfeuernde Gitarrenklänge wurde allerdings nicht für uns, sondern für die Teilnehmer eines gerade stattfindenden Marathonlaufes, geboten.

Im Stadtkern führte unser kurzweiliger Rundgang zu zahlreichen Sehenswürdigkeiten, bereichert durch Schilderungen aus 2000 Jahren Geschichte der Stadt bis zu ihrer heutigen Bedeutung.

 Große Bedeutung wurde dabei den "Verkehrsadern" Donau, Regen und Naab und dem Einfluss bedeutender Kaufleute zugeschrieben. An herausragenden Bauwerken wurde die Steinerne Brücke, der gotische Dom, das Rathaus mit dem immer währenden Reichstag, sowie stattliche Häuser reicher Kaufleute besichtigt.

 

            Wölfen und Goldwäschern auf der Spur

In hügeliger Landschaft auf abwechslungsreichen Wegen oder über Holzbohlenstege führte die erste Wanderung zu Wolfsfallen, dann entlang der großen Ohe, wo wir über den Holztransport im Triftenkanal unterrichtet wurden. Außerdem besuchten wir noch die Anlage eines Goldwäscher- platz und schließlich war die Verbauung eines Bergwerkstollens (Quarzabbau) sehr eindrucksvoll erkennbar. Sehr informativ und gut verständlich waren an den jeweiligen Besichtigungspunkten Schautafeln in Wort- und Bildbeschreibung aufgestellt. Zum Ausklang der Wanderung stand der Besuch (mit Kostprobe) eines Schnapsmuseums auf dem Programm.

          Schachten

Die heutige Wanderung führt uns in einer Höhe von ca 1100 m zu mehreren Schachten (Lindbergschachten, Kohlschachten, Hochschachten, Almschachten). Durch Rohdung des Waldes wurden diese Schachten im 17. Jh. angelegt, um in diesen Hochlagen für das Vieh Weidefläche zu gewinnen. Von ursprünglich 64 derartigen Kahlschlägen sind heute im Bayerischen Wald noch 24 erhalten. Aus riesigen Heidelbeerteppichen, unterbrochen von alten, majestätischen Ahornbäumen besteht die Vegetation auf diesen Freiflächen heute. Dazwischen befinden sich, über Holzstege begehbar, riesige Moorflächen mit entsprechendem Bewuchs. Auf unserem Weg talwärts zum Trinkwasserspeicher Frauenau wurden wir mit großem Hallo von einigen Wanderern unserer Gruppe begrüßt, welche für diesen Tag ein tiefer gelegenes Gebiet erwanderten.

          Höhenwanderung

In den vergangenen Tagen vermuteten wir mit Blick auf verschiedene Berggipfel der Region, daß diese entweder mit Felsen übersät, oder mit Schnee bedeckt sind. Die heutige Ausfahrt führte uns in höhere Regionen (1400 m ü NN). Dort wurden wir auf unserem Weg entlang der  deutschtschechischen Grenze Zeuge eines gewaltigen Waldsterbens. Reihenweise umgestürzte, entwurzelte Bäume lagen in wirrem Durcheinander zwischen standen silbrig glänzend, völlig nadellose Fichten. Die Mittagsrast ist nur deshalb besonders erwähnenswert, weil sich unsere Wandergruppe auf engstem Raum in Deutschland (Bayern), Tschechien und Österreich einen gemütlichen Rastplatz ausgesucht hat. Einige Wanderer nahmen den Grenzweg zurück zum Ausgangspunkt, die anderen folgten dem Pfad über das "Steinerne Meer" zum gemeinsamen Treffpunkt, der Felsformation "Dreisessel". In den drei dort deutlich sichtbaren Sitzmulden, sollen der Sage nach die Herrscher der angrenzenden Länder gesessen und über den Grenzverlauf beraten haben.

        Großer Rachel

Einer kurzen Busfahrt zum Ausgangspunkt der heutigen Wanderung folgte ein langer, beschwerlicher Anstieg. Während in den tieferen Lagen dieser Gegend der Mischwald von gesundem Wuchs war, bot sich in den oberen Regionen wieder das schon bekannte Bild des Waldsterbens. Nach einem ausgiebigen Rundumblick vom Gipfel des Großen Rachel ging es auf steinigem Pfad, vorbei an Totholz zur Rachel-Kapelle und schließlich wieder durch gesunden Laubwald zum Rachelsee. In diesem kristallklaren Wasser würde ein Angler vergeblich auf seinen Fang warten. Mit einem PH-Wert von 4 ist das Wasser für Fische viel zu sauer. Als Grund für diesen niederen Wert, wurde Luftverschmutzung ermittelt.

         Tierpark und Glashütte

Zur Entspannung wandern wir heute durch das Tier-Freigelände im Nationalpark Bayerischer Wald. Dabei begegneten wir u. a. dem stattlichen Wisent, den Wildschweinen mit Frischlingen, Bache und Keiler, einem Rudel Wölfe, sowie dem vor ca 150 Jahren ausgerottetem Braunbär. Im nahe liegenden Waldmuseum wurden dem interessierten Besucher u. a. beeindruckende Einblicke zu den Kleinstlebewesen unter dem Mikroskop ermöglicht. Es folgte der Besuch der ältesten Glashütte der Welt (die Fa. v. Poschinger besteht seit 1568). Bei einer Führung konnten wir informative Einblicke zu dieser Handwerkskunst gewinnen.

          Arber

Zum Abschluss der Wanderwoche war der Arber (1456 m) mit einer Gipfelrundtour unser Ziel. Hervorragende Sichtverhältnisse prägten diesen Tag. Bewundernswert auch die Alpine Vegetation (z.B.: Soldanella alpina), obwohl das Gelände noch teilweise mit Schneeresten bedeckt war. Am wunderschönen Arbersee mit seinen schwimmenden Grasinseln fanden wir einen geeigneten Platz für eine kurze Pause. Für eine angenehme Überraschung in flüssiger Form sorgten schließlich am Bus unsere Wanderfreunde Christine und Holger aus Cuxhaven. Die Rückfahrt zum Hotel wurde bei der Neuromanischen Kirche in Ludwigsthal unterbrochen. Erwähnenswert zu diesem Bauwerk ist, daß jeder cm der Innenwand mit religiösen Motiven bemalt ist. Zum Ausklang des Tages folgte ein Bayerischer Abend. Bei Musik, Tanz und einem Sängerwettstreit unserer Gruppe mit einem Männergesangverein aus dem Saarland, erlebten wir einen schönen Abschluss.

  Gläserner Wald, Burgruine Weißenstein und Pfahl

In den vergangenen Tagen durften wir viel Wald in den verschiedensten Arten durchwandern. Nun bewunderten wir einen von Künstlern geschaffenen "Wald" aus Glas, wobei je nach Brechung der Sonnenstrahlen ein interessantes Farbenspiel gegeben war. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Burg Weißenstein. Das einst von dem Schriftsteller Siegfried v. Vegesack *1888 bewohnte Gemäuer wurde von ihm als "fressender Turm" beschrieben, womit er zum Ausdruck brachte, daß man mit einer derartigen Wohnung arm werden kann. Heute beherbergt der Turm ein kleines, sehenswertes Museum. Bei einer weiteren Unterbrechung auf unserer Heimreise besuchten wir mit dem Pfahl bei Viechtach eine bedeutende Naturerscheinung Bayerns. Pfahl (fahl), übersetzt aus dem lateinischen, bedeutet heller Stein. Gemeint ist damit ein ca 150 km langer Quarzgang, der sich von Nabburg bis Passau erstreckt und bei Viechtach besonders gut zu erkennen ist. Quarz wurde früher für den Straßenbau, zur Glasherstellung, zur Produktion von Siliziumzellen u. a. verwendet. Heute ist die Gesteinsformation bei Viechtach ein willkommener Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen.

        Dankeschön

Für die Organisation und Durchführung dieser schönen Wanderwoche verdienen die Wanderfreunde Ute und Helmut Bauer ein herzliches Dankeschön.

 

Fotos: Helmut Bauer, Hans-Helmut Sudhoff

 

Letzte Änderung: 05.01.2015